Elektromobilität
28.03.2018

BeeZero-Aus: Warum sich grünes Carsharing nicht rechnet

Foto: BeeZero
Am 30. Juni ist Schluss mit BeeZero, bis zum 15. Mai können sich Kunden noch neu anmeleden.

Linde stellt sein Carsharing-Angebot BeeZero mit Wasserstoff-Autos ein. Das Unternehmen ist nicht der erste Anbieter, der an alternativen Antrieben scheitert.

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Willi Loose beantragt derzeit staatliche Förderung für ein Forschungsprojekt. Grob gesagt soll es um die Frage gehen, warum die Einführung von Carsharing mit Elektroautos so schwierig ist – und wie sich das ändern lässt. „Das Thema ist ein Dauerbrenner“, sagt der Geschäftsführer des Carsharing-Verbands im Gespräch mit dem Magazin bizz energy.

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Gerade hat der Industriegasehersteller Linde angekündigt, seinen Carsharingservice BeeZero mit 100 Prozent Brennstoffzellen-Fahrzeugen zum Sommer einzustellen. Am 30. Juni wird das Unternehmen, das weltweit als einziges auf Wasserstoff-Antrieb gesetzt hatte, seine 50 Hyundai-Modelle in München aus dem Verkehr ziehen. Im vergangenen Jahr hatte bereits die französische PSA-Gruppe für ihre Berliner Carsharing-Tochter Multicity das Aus verkündet. Von den rund 330 Fahrzeugen hatten 230 elektrischen Antrieb.

BeeZero teilte mit, das Interesse an den Wasserstoff-Autos (H2) sei zwar groß gewesen. Langfristig lasse sich das Unternehmensmodell jedoch nicht wirtschaftlich tragen. Angeblich sollen manche Fahrzeuge zwei Wochen an ihrem Platz gestanden haben, ohne gebucht worden zu sein. Loose zufolge tragen sich selbst herkömmliche Carsharing-Autos nur, wenn sie übers Jahr hinweg mindestens sechs Stunden täglich genutzt werden. Bei alternativen Antrieben liege die Zahl wahrscheinlich höher. Hinzu kommt, dass Linde die Betankung selbst übernimmt. Das Einsammeln der Autos zum Tanken verursacht jedoch hohe Personalkosten.

 

Anteil alternativer Antriebe an Carsharing-Flotten
Das war einmal: bald sind zwei Anbieter aus dem Rennen.
Grafik: InnoZ

 

Die Entwicklung zeigt: Carsharing mit alternativen Antrieben taugt momentan nicht als tragfähiges Geschäftsmodell – trotz drohender Dieselfahrverbote und immer mehr neuen E- und H2-Modellen. Große Anbieter wie die BMW-Tochter DriveNow und Car2Go von Daimler, die heute ihre Fusion bekanntgaben, haben E-Autos nur in homöopathischen Dosen in den Flotten – wenngleich mit steigender Tendenz. Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb sind hingegen über die ganze Branche hinweg so gut wie gar nicht vorhanden.

DriveNow ist momentan dabei, seine Elektro-Flotte auszubauen. Momentan bietet die BMW-Tochter in Deutschland 430 BMW i3 an fünf Standorten an. Die mit Abstand meisten i3-Modelle gibt es in Hamburg aufgrund einer Kooperationsvereinbarung: Die Stadt errichtet bis 2019 gut 1.000 öffentliche Ladepunkte. DriveNow platziert im Gegenzug bis zu 550 Elektroautos – sofern sich der Zusammenhang zwischen dem Ausbau der Ladeinfrastruktur und dem Betrieb der E-Flotte positiv entwickelt, wie ein Unternehmenssprecher mitteilt. Die Auslastung der Fahrzeuge sei stark abhängig von der Zahl der Ladesäulen. „In vielen Städten besteht hier noch Nachholbedarf“, sagt der Sprecher zu bizz energy

Die Nachlässe sind viel geringer

Loose hat zwei Erklärungen für das Nischendasein grüner Carsharing-Fahrzeuge. Zum einen seien Elektroautos deutlich teurer in der Anschaffung, was insbesondere für Brennstoffzellenfahrzeuge gelte. Die üblichen Nachlässe, die Hersteller den Großabnehmern gewähren, fielen deutlich geringer aus als bei Verbrennern. „Dadurch geht die ohnehin vorhandene Kostenschere weiter auseinander“, sagt Loose.

Hinzu kommt die lückenhafte Ladeinfrastruktur. Anbieter von stationsbasiertem Carsharing, das durch das neue Carsharing-Gesetz Aufwind bekommt, seien mit der Finanzierung der Ladeinfrastruktur überfordert. Und auch bei den Freefloating-Angeboten wie etwa DriveNow und Car2Go sei der Elektro-Anteil abhängig davon, wieviel die öffentliche Hand in die Infrastruktur investiere oder ob diese bereits bestehe. So hat Car2Go nur in Stuttgart und in Amsterdam eine größere beziehungsweise eine komplett grüne Flotte.

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Keywords:
Elektromobilität | Alternative Antriebe | Wasserstoff | Carsharing | BeeZero | Linde | car2go | DriveNow
Ressorts:
Markets

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Sharing-Flotten Probleme aber keine Lösungen

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