Studie
06.04.2018

Blockchain ist überschätzt, aber vielversprechend im Energiesektor

Foto: HPI / Kay Herschelmann
Hauptgebäude des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam.

Der Blockchain-Hype neigt sich dem Ende zu. Potsdamer Forscher warnen vor Gefahren und zu hohen Erwartungen. Potenzial sehen sie aber für die Energiebranche.

Die Erwartungen an die Blockchain-Technologie sind einer Studie des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) zufolge überzogen. Die Potsdamer Informatikwissenschaftler machen in ihrem Report „Blockchain - Hype oder Innovation?“ vor allem auf noch unzureichende Standardisierung und mangelnde Fähigkeit zur Zusammenarbeit zwischen den Blockchain-Systemen aufmerksam. Andererseits trage die zunächst für den Zahlungsverkehr mit der virtuellen Währung Bitcoin entwickelte Technologie durchaus das Potenzial in sich, viele Prozesse in Wirtschaft und Gesellschaft zu revolutionieren. Ein viel versprechendes Anwendungsgebiet der Blockchain-Technologie sei der Energiesektor. Denn hier könne ein Blockchain-Wert mit einer Energie-Einheit gekoppelt werden.

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„Die komplexe Blockchain-Technologie ist seit fast zehn Jahren immer häufiger Gesprächsthema, wird aber nach wie vor nur von wenigen wirklich verstanden“, stellt Christoph Meinel, HPI-Direktor und Mit-Autor der Studie, fest. Einige rückten sie in die Nähe von Hacker-Tricks, die kriminelle Geschäfte im Darknet, dem dunklen Teil des Internets, erleichtern sollen. „Andere überhöhen sie wie in einem virtuellen Goldrausch zu einer neuartigen Allzweckwaffe“, so Meinel. Doch die Technologie stecke noch in den Kinderschuhen und müsse zunächst ausreifen, indem sie für zusätzliche Anwendungszwecke weiterentwickelt werde. Danach komme es auf den „richtigen Einsatz“ an.

Stromhandel über Blockchain

Im Energiesektor sehen die Potsdamer Forscher Potenzial. Sie verweisen beispielsweise auf das Projekt „Blockcharge“ des Energiekonzerns RWE und des Start-ups Slock.it, bei dem es um das Aufladen von Elektroautos geht. In Zukunft könnte ein Auto über eine integrierte Kryptowährungs-Geldbörse verfügen und den Bezahlvorgang für das Aufladen automatisch mit der Ladestation organisieren.

Andere Blockchain-Projekte verbinden Solaranlagen oder organisieren einen lokalen Energiehandel. Die Wissenschaftler nennen als Beispiele das berühmte Projekt im New Yorker Stadtteil Brooklyn und das Landau Microgrid Project (LAMP). LAMP ist ein Forschungsvorhaben des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in Zusammenarbeit mit dem Versorger Energie Südwest und der Softwarefirma LO3 Energy. Hierbei wird 20 Haushalten eine Blockchain-basierte Handelsplattform zur Verfügung gestellt. Auf dieser können sie lokal erzeugten „grünen“ Strom direkt handeln.

Sicherheitslücken bei neuen Systemen

Die Potsdamer Informatikwissenschaftler beschreiben aber auch mögliche Angriffe auf Blockchains und erläutern, wie Hacker versuchen könnten, Transaktionen zurückzuverfolgen und geheime Schlüssel auszuspähen. „Werden ganz neue Blockchain-Systeme entwickelt, kann es durch Änderungen an der bestehenden Softwaretechnologie durchaus zu Sicherheitslücken kommen, die von Angreifern ausgenutzt werden könnten“, sagt Meinel.

Jedem Unternehmen, das auf den Blockchain-Zug aufspringen möchte, raten sie, für den geplanten Anwendungszweck zunächst ein vernünftiges Ziel zu definieren. Viele Blockchain-Projekte scheiterten heute innerhalb der ersten beiden Jahre. Hoffnung setzen sie auf das Zusammenspiel von Großunternehmen und Start-ups. Neben dem Energiesektor sehen die Forscher auch Potenzial beispielsweise für die Vermietung von Wohnungen oder Autos, beim Handel mit Kunstwerken, bei Abstimmungs-Systemen oder etwa bei der Verwaltung von Gesundheitsdaten. Vorteile habe die Technologie zudem für das Management digitaler Identitäten und den sicheren Datenaustausch zwischen Geräten im Internet der Dinge.

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Carsten Kloth
Keywords:
Blockchain | Digitalisierung
Ressorts:
Technology

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